Reisebericht von Ursula

Am Freitag, den  06. Dezember, durften wir freundlicherweise Silke H. und Dirk S. vom ts - nie mehr allein einen Tag lang auf ihrer Ungarnreise begleiten. Wir trafen uns morgens mit Ihnen im Gemeindeamt in Kórós, wo wir sehr freundlich und warmherzig von Silke und Dirk sowie Ivett und anderen Mitarbeitern des Amtes begrüßt und versorgt wurden und anschließend miterleben durften, wie kompetent, detailliert, fachkundig und gleichzeitig sehr liebevoll und sensibel Themen wie Kastration, Tracking, Ungezieferbekämpfung, Impfungen und vieles mehr besprochen wurden. Zwei Wochen zuvor hatten wir unseren Marci aus Kórós holen und dabei erleben dürfen, wie engagiert in diesem Gemeindeamt besitzerlose Katzen und Hunde aufgenommen und komplett versorgt werden. Jeder einzelne Hund wurde uns mit Namen, seiner Geschichte und seiner Individualität vorgestellt, jeder Hund wird persönlich bestmöglichst versorgt, hat alleine oder zu zweit einen schönen, trockenen, sicheren Zwinger mit Schutz und Betreuung (O-Ton: und kommt dann wieder einer, bauen wir eben hier einen weiteren Zwinger an) - in Ungarn eher eine Seltenheit.

Auch hier in Kórós erleben die Mitarbeiter gleiche und ähnliche Tragödien wie in anderen Gebieten und Ländern: Wird ein Hund in einem Shelter abgegeben, muss der bisherige Besitzer eine Gebühr zahlen. Oft wollen, noch häufiger können die Menschen sich das nicht leisten, also wird der Hund wieder mitgenommen und am Rande des Dorfes aus dem Auto hinauskomplimentiert, wo er dann umherirrt, vom Shelter aufgenommen werden muss und meistens auch mit viel Liebe versorgt wird, jedoch ohne finanzielle Hilfe, so dass sehr viele Vereine und Shelter rein auf Spenden angewiesen sind. So besteht ein wichtiger Teil der Tierschutzarbeit aus Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit, Werbung für Spenden und neue Mitglieder - und alles ohne aufdringlich zu sein - eine sehr sensible Aufgabe!

Dankbarkeit für dieses große, aussergewöhnliche Engagement in Kórós zusammen mit Trauer ob der großen Sehnsucht der Hunde nach Aufmerksamkeit, Zuneigung und Beschäftigung ergaben eine gefühlsmäßige Achterbahn, so dass ich auch wieder nicht ohne Tränen gegangen war. Wir freuten uns sehr über unseren super betreuten, gesunden, munteren, fröhlichen Marci und ließen doch all die anderen Hunde mit schwerem Herzen zurück. Nun besuchten wir also mit Marci seine Kinderstube, wo er freudig aufgeregt seine noch nicht vermittelten Geschwister begrüßte und doch ganz selbstverständlich wieder mit uns ging. Kathleen und Riko durften an einem Fotoshooting teilnehmen, was sie sehr genossen und und wodurch sie mithalfen, die Hunde besser kennenzulernen und auf Kinderverträglichkeit zu prüfen. Wie bei allem ist auch hier der Verein ts - nie mehr allein absolut genau, verantwortungsbewusst und zuverlässig - bei jeder Anfrage zu einem Hund wird genau überlegt und abgesprochen, ob er zu seinem bzw. seinen möglichen neuen Rudelführer/n passt, damit wirklich Hund UND Mensch glücklich werden - ein Herzensanliegen bei den Vermittlern!

Dann ging es auch schon weiter - viele Pflegestellen wollten an diesem einen Tag besucht werden, alles war super organisiert und  vorbereitet, die Zeiten genau eingeteilt. Vicky, Zsannett und   vom ungarischen Partnerverein Kis führen und begleiteten uns und übersetzten. Überall sahen wir gut versorgte Pflegehunde, die natürlich begeistert von dem Besuch und der aufregenden Abwechslung waren. Manche stürmisch, andere vorsichtig, alle neugierig und vor allem gesund. Silke und Dirk schafften überall den fast unmöglichen Balanceakt, Dankbarkeit und Freude zu vermitteln und gleichzeitig respektvoll notwendige Dinge zu besprechen. Um diesen schwierigen Umstand besser zu verstehen, muss die Kenntnis vorhanden sein, dass die Ungarn auch aufgrund der langen Besetzung durch die Türken eine andere Beziehung zu Besuchern und ein anderes Verständnis von Höflichkeit haben als z. B. wir Deutschen. Wäre es in Deutschland selbstverständlich, die Organisatoren eines Tierschutzvereines zu den Schützlingen zu lassen und sachliche Dinge zu besprechen, ist es für Ungarn eine aussergewöhnliche Toleranz und Offenheit. Silke und Dirk verstanden es meisterhaft, mit diesen für uns ungewohnten Bedingungen umzugehen und ihrer Aufgabe und ihrer Leidenschaft auf höchstem Niveau nachzugehen - eine Glanzleistung!

Obgleich ich nun schon einige Monate in Ungarn lebe, die Menschen hier in meiner Umgebung mit ihrer Warmherzigkeit, ihrem offenen Lächeln, ihren strahlenden Augen und ihrer Ruhe sehr zu schätzen weiß und dankbar bin, immer wieder mit der liebevollen Art reich beschenkt zu sein und auch immer wieder staune, wie freundlich und zufrieden die Ungarn in meiner Region sind trotz einiger Lebensumstände, welche uns in Deutschland fremd sind, war mir meine Betroffenheit über manche sehr einfachen Lebensumstände von Mensch und Tier wohl deutlich anzusehen, denn mehr als einmal sprach Dirk mich tröstend an und erzählte von bereits erzielten Fortschritten, zeigte jedoch auch die Grenzen auf, die akzeptiert werden müssen und nur als langfristiges Projekt in Angriff genommen werden können.

Der Tag mit Silke und Dirk bestätigte meine bisherige Erfahrung, dass mit Können, Wissen, Leidenschaft, Liebe zu Mensch und Tier, viel Kraft und Engangment hier auf höchstem Niveau Tierschutz geleistet wird. Beginnend am Anfang hier in Ungarn, wenn wieder ein neues Tier hinzu kommt, über das aktive Einschätzen und Kennenlernen eines jeden Tieres, der Beratung der Interessenten, der Vorbereitung für die Ausreise, die Fahrt selber zum neuen Heim bis hin zu der detaillierten Betreuung vor und auch noch lange nach Ankunft des neuen Vierbeiners - ein All-Inclusive Paket, auf das sich jeder verlassen kann. Außergewöhnlich selbstverständlich kommt beim ts - nie mehr allein hinzu, dass auch Tiere komplett versorgt werden, die wenig oder keine Chancen haben, jemals ein eigenes Körbchen zu finden, und sogar Hunde, bei denen von vornherein klar ist, dass sie niemals in die Vermittlung gehen werden, werden nach Möglichkeit kastriert, um weiteren Nachwuchs zu verhindern.

Wir sind sehr dankbar, dass wir Silke und Dirk begleiten und viel über Tierschutz erleben und lernen durften, viele sehr nette Hunde kennenlernen und noch mehr über unser neues Heimatland erfahren konnten. DANKE Euch Beiden für Eure Geduld mit uns, Euer Verständnis für manche Unwissenheit auf unserer Seite und vor allem für Euer riesengroßes Herz für die Menschen und Tiere hier in Ungarn und Deutschland. DANKE auch an alle lieben und engagierten Mitglieder vom kis..., allen voran Vicky und Zsannett . .. , an alle geduldigen, liebevollen und kompetenten Pflegestellen hier in Ungarn und auch an alle Mitglieder in Deutschland, die die Arbeit und Hilfe hier vor Ort ermöglichen und unterstützen. Wer einmal einen unvergesslichen Urlaub erleben möchte: Fahrt mit dem ts nie nach Ungarn und besucht hier die Pflegestellen, es wird auf alle Fälle eine Riesenbereicherung sein!

 

 

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Ein Tag im Dezember
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